Als ich vor fünf Jahren in den Zeitung las, dass ein frisch installiertes Projekt Paten sucht, die in entsprechenden Einrichtungen Kindern vorlesen, erkannte ich augenblicklich, dass dies haargenau das Richtige für mich ist. Kann ich meine Leidenschaft für Bücher, für das Lesen, geeigneter weitergeben? Zudem bedeutet der Austausch zwischen den Generation ein Gewinn für beide Seiten.
Es erwies sich als eine wunderbare Aufgabe, in unserer medienüberfluteten Zeit, den Kindern die Welt der Bücher zu eröffnen, sie mitzunehmen auf einen Rundgang durch das Reich der Fantasie.
Wenn meine kleinen Zuhörer es sich auf den Sitzkissen gemütlich gemacht haben, kann es losgehen. Einmal las ich die Geschichte eines Esels namens Sylvester, der einen Stein fand, mit dessen Hilfe jeder Wunsch in Erfüllung geht. Auf meine Frage, was sie sich wünschten, fänden sie ebenso einen solchen Stein, erhielt ich die erstaunlichsten Antworten.
“Ich wünsche mir, dass morgen schönes Wetter ist und meine Mutter mit mir schwimmen geht”, antwortete die quirlige Hanna.
“Ich wünsche mir ein neues Fahrrad”, plapperte der rothaarige Michael.
Ein ernst dreinschauender Junge sagte:
“Ich wünsche mir, dass mein Vater nicht mehr so viel schreit.”
Ich schwieg betroffen. Zukünftig stelle ich keine derart diffizile Fragen mehr, schließlich will ich die Kinder nicht aushorchen.
Ziel des Projektes ist, beginnend bereits bei den Kleinsten, spielerisch, ohne erhobenen Zeigefinger, in entspannter Atmosphäre, die Aufmerksamkeit auf die Welt der Buchstaben zu lenken. Der Lesehunger soll geweckt werden, wir Lesepaten reichen ihnen dazu die Appetithäppchen.